Uns kann die Muse nicht mehr küssen

Lebensfreude

Dieser Artikel ist ein Plädoyer für kleine Auszeiten, damit uns das digitale Hamsterrad nicht in den Burnout treiben kann.

Betrachten wir das Leben aus der Perspektive unseres Gehirns und der digitalen Revolution, mit der es gerade nicht Schritt halten kann:

Von der Feldarbeit auf die digitale Autobahn

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Die Welt der Informationen hat sich in den letzten Jahrzenten enorm beschleunigt. Vor 150 Jahren ging der Mensch noch überwiegend der Feldarbeit oder dem Handwerk nach, begleitet von relativer Stille und Monotonie. Höchstwahrscheinlich ging er sonntags in die Kirche, um dort die allgemeinen Neuigkeiten aus dem Dorf zu erfahren und im Gotteshaus ein paar Wandgemälde zu betrachten. Vielleicht ging er auch regelmäßig ins Wirtshaus. Auch dort sah er vermutlich das eine oder andere Bild und wurde über den zwischenmenschlichen Kontakt mit Informationen versorgt. Ein Zeitungsabonnement leistete sich der Durchschnittsmensch vor 150 Jahren nicht und das Radio war noch nicht erfunden. Vor 150 Jahren sah der Durchschnittsbürger also zweimal pro Woche ein paar Bilder. Gewöhnlich sogar immer die gleichen.

Und heute? Wie oft sehen wir Bilder? Mit wie vielen Informationen füttern wir uns?

Gehen wir in der Chronologie ein paar Jahrzehnte weiter. In den 20iger Jahren des vergangen Jahrhunderts wurde das Radio erfunden. In den 60 Jahren zog das Fernsehen in die deutschen Haushalte ein. Im neuen Jahrtausend waren es die Computer mit dem Internet und im aktuellen Jahrzehnt die Smartphones.

Der heutige Mensch versorgt sein Gehirn aus allen Kanälen mit Informationen: Radio, Fernseher, Internet/Smartphone. Ach ja, Zeitungsleser soll es ja auch noch geben. Insgesamt kommt ein junger Mensch (14-29 Jahre) auf einen Medienkonsum von 6,5 Stunden täglich (Quelle: Statista).

Ok, schön, mag sich mancher denken, wo ist das Problem?

Das Problem liegt an dem alten Betriebssystem unseres Gehirns, das aus vergangenen, ruhigeren Zeiten stammt.

Unser armes Gehirn: Ein Rechner im Dauerbetrieb ohne Belüftungsventilation

Um es in eine einfache Sprache zu kleiden, unser Gehirn funktioniert so:

Wenn wir unsere Sinne nach außen richten, Informationen verarbeiten, lauschen ob ein wildes Tier hinterm Busch lauert, stellt unser Gehirn automatisch den Teil, der sich um unsere Selbstwahrnehmung, unser Befinden im emotional, seelischen Bereich kümmert, ab. Evolutionsbiologisch war das sinnvoll: Wenn wir unsere Sinne ganz wach stellen mussten, um zu überprüfen, ob von irgendwo Gefahr drohte, machte es keinen Sinn, über die schlechte Emotionen nachzuspüren, die ein Gespräch mit einem Stammesgenossen ausgelöst hatte. Was nützte die emotionale Klarheit, wenn man mit dem Hals im Rachen eines Säbelzahntigers hing?

Aber heute? Heute lauern die „Gefahren“ in kleingedruckten AGB’s und vielleicht im Straßenverkehr. Wir hätten genug Zeit, um uns mit uns selbst zu beschäftigen. Wir können es aber nicht, weil der unaufhörliche Datenstrom in unserem Gehirn, unsere intrinsische (innere) Wahrnehmung behindert.

Hier das Ganze für wissenschaftlich Interessierte:

Bei der Informationsverarbeitung produziert unser Gehirn Betawellen (15-38 Hertz). Bei großen Informationsmengen (also nicht bei der Feldarbeit) werden die Betawellen hochfrequenter und die Alphagehirnwellen (8-14 Hertz) verschwinden. Alphawellen sind die Gehirnwellen, die wir überwiegend in Entspannung produzieren und die für die Informationen aus dem Inneren zuständig sind. D.h. bei der Informationsverarbeitung ist es dem Gehirn nicht möglich, uns mit Informationen aus dem emotional-seelischen Bereich zu versorgen.

Der veräußerlichte Mensch!

Der Mensch ist ein Wesen, das in zwei Welten lebt: in seiner inneren Welt und in der äußeren, materiellen Welt. Das Pendel schlägt bei uns heute meist zu extrem in die äußere Welt und wir verlieren uns selbst. Wir verlieren den Kontakt zu unseren Emotionen, zu unseren inneren Impulsen, zu unserer Kreativität, zu unserer inneren Stimme, die uns durchs Leben führt. Wir irren in dieser äußeren Welt umher, konsumieren was modern ist, laufen im Hamsterrad der WhatsApp-, Facebook- und E-Mail-Nachrichten und wissen nicht mehr wohin die eigene Reise gehen soll! Vielleicht vergessen wir dadurch unsere Talente, Begabungen und unsere Lebensbestimmung?

Irgendwann sind wir so ausgebrannt, dass wir endlich aus dem Hamsterrad fallen und Innenschau halten müssen. All die veröffentlichten Krankheitszahlen in Sachen Burnout und Depression machen den Fluch der digitalen Welt sichtbar. Depressionen und Burnout haben sich in den letzten 2 Jahrzenten vervielfacht. Die Krankheitstage aufgrund von Burnout lagen 2015 auf dem 15fachen des Niveaus von 2004  (Quelle: Statista).

„Was nützt es, wenn Du die Welt eroberst, aber Dich selbst dabei verlierst.“

In Anlehnung an Lukas 9:25

Endstation Burnout/Depression:

Ein Leben, das völlig an den eigenen Bedürfnissen, Empfindungen, Bestimmungen vorbei läuft, beantwortet die Seele irgendwann mit Burnout oder Depression.

Für alle, die weder einen Depressionserkrankten kennen, noch selbst im Burnout steckten, hier eine kleine Erläuterung: Depression oder die Vorstufe Burnout sind seelische und körperliche Zustände der Erschöpfung, der inneren Leere, der Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit. Dann ist es höchste Zeit für professionelle Hilfe, damit man zu sich, zur Seele zurück findet, sich selbst wieder spüren kann und ein passenderes Lebens-Modell findet.

Der Kuss der Muse

Der Kuss der Muse als Sinnbild für Inspiration erfolgt nicht in der digitalen Hektik des Alltags. Die Berührung mit der Muse erfolgt, wenn die äußere Welt still steht, wenn wir leer sind, wie ein aufnahmebereites Gefäß. Ideen, kreative Leistungen kommen zu uns, wenn wir innehalten, ruhig sind und zu Zeiten, in denen wir genügend Alphawellen im Gehirn produzieren. Viele Erfinder und Kreative erhalten ihre Ideen, wenn sie ganz in sich versunken und bisweilen im Halbschlaf sind. Manch ein Entdecker hatte seine Idee auch schon nachts im Traum entwickelt, wie z.B. August Kekulé, der die Struktur-Formel des Benzols träumte.

Die Muse küsst uns also eher, wenn wir uns entspannen und vielleicht die Augen schließen.

Wir denken die äußere Welt ist groß und die innere klein. Jeder Künstler würde dieses bestreiten: Die innere Welt, die Welt der Musen, die Welt der Inspiration ist mindestens so groß wie die äußere Welt.

Nicht jeder hat eine so reiche Fantasie in seinem Inneren wie Astrid Lindgren oder J.K. Rowling (Harry Porter). Aber jeder hat in seinem Innern die Welt der Empfindungen und seiner inneren Führung.

Astrid Lindgren

Astrid Lingdren

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“

Astrid Lindgren (1907 -2002)

Erfolgreichste schwedische Kinderbuchautorin:

Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach, den Kindern aus Bullerbü

Wie komme ich in diese innere Welt?

Der Weg dorthin ist ganz leicht:

Handy aus, Stille suchen, Augen schließen, NICHTS TUN. Noch besser: auch nichts denken. Einfach sein und ruhig atmen.

Der Königsweg ist die Meditation und die gelebte Achtsamkeit im Alltag.

Meine Empfehlung für Dich:

Nimm Dir täglich digitale Auszeiten der Stille, damit die Muse Dich küssen kann.

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