6. Kurswoche: Die spirituelle Dimension des Selbstwertgefühls

Ein starkes Selbstwertgefühl

In den vergangenen 5 Kurswochen haben wir versucht, die Stärkung des  Selbstwertgefühls  auf der Ebene der Körpersprache, der Selbstannahme, der Verantwortung, der Bewusstheit und der Selbstbestimmung zu klären. Wir haben uns dabei auch der Heilung der vielen Verletzungen des Egos vom Weg des Säuglings bis hin zum Erwachsenen angenommen. In dieser Kurswoche wollen wir hinter die Fassade des Egos blicken und somit einen weiteren sehr wichtigen Weg zur Stärkung des Selbstwertgefühls gehen.

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Die Geburt des Egos ist die Vertreibung aus dem Paradies

Kinder kommen völlig egofrei zur Welt. Sie lachen und weinen ohne Konzept über sich selbst. In der Tat lachen sie viel häufiger als Erwachsene. Laut Lachforscher,  Gelotologen genannt, lachen Kinder zwanzigmal so oft wie Erwachsene.  Das Leben eines Kindes ist leicht, es spielt, es tobt, es erkundet neugierig die Welt. Wir Erwachsenen sind ernster geworden, die kindliche Leichtigkeit ist uns abhandengekommen. Während ein kleines Kind nicht mal das Wort „Ich“ versteht und in der 3. Person von sich redet, haben wir Erwachsenen eine Reihe von Selbstkonzepten entwickelt.

Wie ein Fesselwerk stülpen sich unzählige Identifikationsmuster über uns Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Eine Fessel für unser Geschlecht, eine Fessel für unsere Herkunft, eine Fessel für unser Aussehen, eine Fessel  über die Bewertung unserer geistigen Fähigkeit und viele, viele Fesseln für unseren Wunsch, liebenswert zu sein. Dieses Fesselwerk ist unser Ego. Wir hören unzählige Urteile über uns und fällen selbst Urteile über uns. Diese Urteile sind meist nicht gut, weil wir fast alle Eltern hatten, die uns nicht bedingungslos lieben konnten.

Unsere Egos sind alle ramponiert.

 Das Ego zu heilen, ist ein mühsamer Weg. Erfahrene Psychotherapeuten wissen, dass sie nur „Teilreparaturen“ vornehmen können, die das Leben für den  Klienten wieder lebenswert machen. Dabei ist das Problem auch anders zu lösen: Wir müssen aufhören, uns mit unserem Ego zu identifizieren. Wir sind nicht unser Ego, wir haben nur ein Ego. Es ist gut ein Ego zu haben, so wie es gut ist ein Nervensystem zu haben, das uns meldet, dass die Herdplatte heiß ist. Aber kein Mensch würde sich mit seinen sensorischen Nerven identifizieren. Wir identifizieren uns aber unreflektiert mit unserem Ego. Dabei ist unser Ego nicht mehr als ein emotionaler Schmerzsensor, der uns vor Entwertung, Grenzüberschreitung und Verletzung bewahren soll.

Aus der Falle des Egos herausfinden

Das menschliche Bewusstsein hat sich über die Jahrtausende verändert. An Naturvölkern können wir noch am ehesten ablesen, welchen Bewusstseinszustand wir einst hatten. Diese  Naturvölker nehmen sich als verbunden wahr:  verbunden mit der Natur, verbunden mit ihrer Sippe und sogar verbunden mit ihren Ahnen.  Der Einzelne wurde als wertvoller Mosaikstein des Ganzen verstanden, aber niemals losgelöst vom Ganzen. Er achtete die ganze Schöpfung, weil er sich als Teil der Schöpfung wahrnahm. Über eine große Zeitspanne hat das menschliche Bewusstsein den Weg des Egos gewählt, mit all den Vorteilen, Risiken und Nebenwirkungen.  Notwendig zur Erprobung des eigenen Willens, ist das menschliche Ego heute zur Gefahr für die ganze Menschheit geworden.

Die Kehrseite des Egos ist die Illusion der Trennung, die wir als Preis für den freien Willen bezahlt haben.

Wir fühlen uns so getrennt, dass wir unsere Mitmenschen nicht mehr als Brüder und Schwestern erkennen können. In Nationen getrennt, machen unser Mitgefühl und unsere Verantwortung an den Grenzen halt. Was kümmert uns das Leid der anderen Völker und Nationen? Was kümmert uns das Leid unseres Nachbarn? Von Luft, Wasser und Erde fühlen wir uns so getrennt, dass wir Luft, Wasser und Erde verschmutzen und zerstören können, ohne zu verstehen, dass wir damit unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Es ist die größte Aufgabe unserer Zeit, die Eigeninteressen des Egos zu überwinden und das Wir der  Menschheitsfamilie wieder zu finden.

Das Ego lebt vom Vergleich

Es muss sich permanent vergleichen. Wenn Du Dich vergleichst, dann bist Du in der Falle des Egos gelandet. Es gibt immer jemanden, der besser oder schlechter ist als Du bist. Das ist die Nahrung des Egos, um sich klein oder groß zu fühlen.  Um sich groß zu fühlen, muss es jemand geben, der klein ist.  Damit man ein Sieger ist, muss es einen Verlierer geben. Um der Wichtigere zu sein, muss es Unwichtigere geben. Ist man endlich die Egoleiter hochgeklettert und trägt z.B. das anerkannte Etikett „erfolgreich“, geht der Blick auch schon wieder nach oben. Da gibt es jemanden, der noch umsatzstärker ist – und schon wieder fühlt man sich klein.  Darum ist uns mit dem Ego das Lachen vergangen.

Übung: Schreib auf, was Du über Dich denkst. Alle Wertungen, alle Meinungen, die Du über Dich hast, die guten wie die schlechten. Schreib auf, was Du denkst, was andere über Dich denken, Dein Partner, Deine Eltern, Freunde etc.. Wenn Du das alles zu Papier gebracht hast, schreibe darunter: DAS BIN ICH NICHT! Das sind Gedanken über mich, Wertungen über mich, aber DAS BIN ICH ALLES NICHT! Ich bin nicht meine Gedanken und Wertungen, ich habe nur Gedanken und Wertungen. ICH WILL MICH NEU KENNENLERNEN!

Die 3 Wege um das Ego zu überwinden:

  • Bewusstheit
  • Achtsamkeit, Präsens
  • Liebe

Bewusstsein:

Sei Dir bewusst, dass Du nicht das Ego bist, sondern nur ein Ego hast. All Deine Gedanken, die in unglaublicher Menge durch Deinen Kopf gehen, sind zu 95% Repräsentationen Deines Egos. Versuche Dich also gleichfalls von der Identifikation mit Deinen Gedanken zu lösen, denn nur so kannst Du Dich vom Ego lösen.

Achtsamkeit, Präsens

Übe Dich in Achtsamkeit und ​Gegenwart, denn wenn Du achtsam bist, kann das Ego Dich nicht beherrschen. Lerne konsequent im Hier und Jetzt zu sein, dann wird das Unglücklichsein aufhören.

Eckardt Tolle: „Wenn Du leidest, dann bist Du nicht im Hier und Jetzt“.

Wenn wir leiden, sind wir mit unseren Gedanken beschäftigt. Aber wir sind die Denker unserer Gedanken und die Lenker unseres Bewusstseins. Wir können selbst bestimmen, ob und was wir denken.

Achtsamkeit und ​Gegenwärtigkeit zu lernen, ist kein kurzer Weg. Er erfordert Disziplin und tägliche Übung.  Mein Tipp: Meditiere täglich. Mach ZEN-Kurse, Yoga oder MBSR. Alles, was Dich Achtsamkeit und Präsens lehrt, ist Gold wert.

Liebe:

Wahre Liebe führt Dich über Dein Ego hinaus. Natürlich gibt es auch die Egoliebe des Tauschhandels. Liebe fragt sich nicht, ob etwas zurückkommt. Liebe liebt einfach, ohne Hintergedanken und Zweck. Lächle die Menschen an. Liebe die Natur, streichle ein Tier. Es hat keinen anderen Zweck als die Liebe selbst. Liebe macht Dich groß und weit. Sie kommt zu dem, der Liebe gibt. Man kann immer nur die Liebe empfinden, die man gibt und nicht die, die jemand anderes für einen selbst empfindet.

Wer bist Du wirklich?

Wenn wir also nicht unsere Gedanken und unser Ego sind, was sind wir dann? Es ist schwer, dafür Worte zu finden, die jedem zugänglich sind. Letztendlich sind wir Bewusstsein. Bewusstsein, das in einem Körper wohnt. Lebenskräfte aus Luft und Nahrung erhalten uns den Körper. Die Natur stellt uns den Körper mit Kräften bereit, die wir selbst nur verwalten und schonend behandeln können, aber niemals selbst erschaffen  können. Ein Bewusstsein, größer als wir es uns selbst vorstellen können, formte nicht nur das All und die Schöpfung, sondern auch uns selbst.

So sind wir mit unserem Bewusstsein Teil der Einheit und mit allem verbunden, in Erinnerung an einen einzigen Punkt (Urknall), aus dem alles erschaffen wurde. Davon zeugen auch die Reaktionen kleinster Atomteilchen (die Verschränkung, wie sie in der Quantenphysik beschrieben ist). Durch uns strömt dieses große Bewusstsein, die formgebende Intelligenz, die größer ist als unsere Gedanken und alles was wir selbst je verstehen können.  Dieses große Bewusstsein hat auch unser „kleines Bewusstsein“ geboren, mit dem wir die Welt erfassen, mit dem wir denken, sprechen und handeln. Wie eine Welle aus dem Meer gehoben, so ist unser kleines Bewusstsein nun getrennt und doch verbunden.

Womit identifizierst Du Dich?

Bist Du mit dem Körper identifiziert, denkst Du also Du wärst Dein Körper? Dann wirst Du mit ihm leiden, wenn das Alter und mit ihm der Zerfall kommt. Du wirst bei  jeder größeren Krankheit in Todesangst geraten. Bist Du mit der kleinen Welle, Deines getrennten Bewusstseins identifiziert, dann gehst Du den Leidensweg Deines Egos.

Siehst  Du Dich als Teil des unendlichen Bewusstseins, dann bist Du frei, groß und unsterblich.  Wenn uns das gelingt, dann zieht innerer Frieden ein und wir leben glücklich und geführt von unserem höheren Selbst. Das gelingt bis dato nur wenigen Menschen. Aber wir können lernen, uns immer wieder an das Meer des größeren Bewusstseins anzudocken. Das ist der tiefe Sinn der Meditation. Deshalb kann uns Meditation selbstbewusster machen, weil wir uns dabei erinnern, wer wir wirklich sind: unendliches Bewusstsein. Das persönliche Ich wird leiser rufen, dafür wird die Stimme des größeren Bewusstseins lauter zu hören sein.

​Ohne tägliche Übung geht es nicht

Das alles ist ein Weg, der tägliche Übung verlangt. Und es ist ein Weg, der diametral unserer westlichen Welt entgegensteht. Während wir in unserer westlichen Welt aufgerufen werden, immer lauter „Ich“ zu schreien und uns ganz in der äußeren Konsumwelt zu verlieren, zeigt uns dieser Weg die Freiheit der „Ichaufgabe“ und den Frieden der inneren Welt.

Kleine Mediationsübung: Schließe Deine Augen und achte auf Deinen Atem, versuche innerlich ganz still zu werden und sage Dir dann immer wieder und ganz achtsam: „Ich bin die Welle und das Meer.“

Empfehlenswert ist es, zuerst die Achtsamkeitsmeditation durch zu führen. Wenn Du dann still geworden bist, sprich immer wieder den Satz: „Ich bin die Welle und das Meer“.

GedankLicht wünscht Dir ein erfülltes, selbstbewusstes Leben mit innerem Frieden!

Namaste!

Hier die Übungsvorschläge für diese Woche:

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

​Freitag

​Samstag

​Sonntag

Achtsamkeitsmeditation

Übung: Das bin ich nicht!

Achtsamkeitsmeditation
Achtsamkeitsmeditation
Achtsamkeitsmeditation

​Hier nochmal der Überblick über die anderen Kurswochen:

1.-2. Kurswoche:  Körpersprache und Selbstannahme

3. Kurswoche: Bewusst und eigenverantwortlich leben!

4. Kurswoche: Selbstbestimmt leben!

5. Kurswoche: Setze Deine eigenen Ziele!

 ​Romie

 ​Gründerin von GedankLicht

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​Dieser 6 Wochenkurs ist vollgepackt mit wertvollen Übungen. Wenn Du diesen Kurs wirklich durchziehst, wirst Du ein großes Stück weiter kommen. Natürlich kannst Du Dir ein eigenes Programm mit den Übungen zusammenstellen, die Dir am besten gefallen haben oder Dich besonders gestärkt haben. 


​Wie in jedem menschlichen Leben, wird es Zeiten geben, in denen es Dir gut tut, Dich selbst zu stärken.

Ich wünsche Dir ​jeden erdenklichen Fortschritt zu einem erfüllten und glücklichen Leben!

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